Gesamtüberblick

Natur braucht Infrastruktur – genauso wie wir

Damit unsere Gesellschaft gut funktioniert, braucht sie Infrastrukturen wie Strassen, Strom- und Wasserversorgung. Aber auch Tiere und Pflanzen brauchen eine Infrastruktur zum Überleben – die Ökologische Infrastruktur (ÖI). 

Die Ökologische Infrastruktur ist ein landesweites, zusammenhängendes Netz von Flächen, die für die Biodiversität entscheidend sind. Sie stellt sicher, dass genügend Flächen in guter ökologischer Qualität und ausreichender Grösse zur Verfügung stehen – und ermöglicht so die langfristige Erhaltung der Biodiversität in der Schweiz.

Wir Menschen sind stark auf die Ressourcen und Leistungen der Biodiversität angewiesen: 

  • Sie sorgt für sauberes Trinkwasser, indem sie Schadstoffe und Krankheitserreger filtert.
  • Wälder verbessern die Luftqualität und schützen vor Naturgefahren wie Lawinen und Erdrutschen – ein Schutz, der im Klimawandel immer wichtiger wird.
  • Grünflächen kühlen unsere Städte und helfen, Überschwemmungen zu verhindern.
  • Natur vermittelt uns ein Gefühl von Heimat und Verbundenheit mit den Orten, in denen wir leben.

Die Ökologische Infrastruktur schafft, vernetzt und sichert ökologisch wichtige Lebensräume - und trägt damit zugleich zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen und unserer Lebensqualität bei.

Warum ein Netz für die Biodiversität?

Die Biodiversität ist weltweit in einem schlechten Zustand. In der Schweiz gilt ein Drittel der Arten und die Hälfte der Lebensräume als gefährdet; viele Flächen sind klein, isoliert oder nur noch als Reste vorhanden.  Die ÖI soll diese “Biodiversitätslücke” schliessen und die Biodiversität in der Schweiz langfristig erhalten. 

Sie umfasst geeignete Flächen in der ganzen Landschaft – in Gewässern, Wäldern, Bergen sowie in Siedlungs- und Landwirtschaftsgebieten – und besteht aus zwei Hauptelementen (in dunkel- bzw. hellgrün in der Abbildung dargestellt):

Die Kerngebiete bieten natürlich vorkommenden Arten geeignete Lebensräume, in denen sie sich ungestört ernähren und fortpflanzen können.

Die Vernetzungsgebiete verbinden diese Kerngebiete zu einem Netzwerk und ermöglichen den Arten, sich zu bewegen, zu jagen und sich auszubreiten.

Ausgangslage und Zukunftsbild

ÖI – mehr als Naturschutz

Die Ökologische Infrastruktur verbindet Biodiversität mit gesellschaftlichem Nutzen und schafft so langfristigen Mehrwert: 

  • Strategische und langfristige Planung: Bisher wurden Massnahmen im Naturschutz meist punktuell umgesetzt. Mit der ÖI erfolgt die Planung umfassend und nach einer langfristigen Strategie.
  • Synergien und gemeinsame Umsetzung: Die ÖI schafft Ökosysteme mit zentralen Leistungen für die Gesellschaft. Gewässeraufwertungen sichern Lebensräume (Biodiversität), mindern Überschwemmungen (Wasserbau) und stärken die Widerstandskraft gegen den Klimawandel (Klimapolitik) – ein Beispiel für Synergien, die bei der gemeinsamen Umsetzung der ÖI durch verschiedene Politikbereiche entstehen und genutzt werden müssen.
  • Raumplanerische Verankerung: In der Schweiz ist die Fläche knapp, viele Interessen beanspruchen denselben Raum. Die Raumplanung stimmt diese Nutzungen ab. Damit die Biodiversität berücksichtigt wird, muss ihre Belange in raumplanerischen Instrumenten – etwa den kantonalen Richtplänen – verbindlich verankert sein. Die Planung der ÖI schafft dafür die Grundlage.

Verantwortung, Planung und Umsetzung

Wer trägt die Verantwortung für die ÖI? Der Aufbau einer funktionierenden Ökologischen Infrastruktur ist ein zentrales Ziel der vom Bundesrat 2012 beschlossenen Strategie Biodiversität Schweiz (SBS). Im Auftrag des Bundes planen und tragen die kantonalen Naturschutzämter die ÖI – sind jedoch je nach Kanton sehr unterschiedlich ausgestattet; kleine Ämter stossen schnell an ihre Grenzen. 

Die ÖI kann ohnehin nicht allein vom Naturschutz umgesetzt werden. Ihr Aufbau ist ein Gemeinschaftswerk, an dem viele Akteure beteiligt sind – und künftig noch mehr, darunter Landwirt:innen, Förster:innen, Gemeinden und Grundeigentümer:innen – sie alle tragen ebenso dazu bei wie der Naturschutz.

Wo steht die Planung der ÖI? In den letzten fünf Jahren haben die kantonalen Naturschutzämter systematisch analysiert, wo sich ökologisch wertvolle Flächen befinden und wo zusätzliche Flächen nötig sind, um Arten und Lebensräume langfristig zu sichern. Die Ergebnisse sind in kantonalen Fachplanungen festgehalten.

Was sind die nächsten Schritte? Die ÖI befindet sich in einer entscheidenden Phase: Auf die Planung folgt nun die Umsetzung. Es gilt, die Qualität bestehender Flächen zu verbessern, zusätzliche Flächen zu sichern und die Vernetzung zu stärken. Dazu müssen wertvolle Flächen gepflegt und unterhalten, weitere Flächen renaturiert oder durch angepassten Unterhalt wiederhergestellt werden. Gleichzeitig gilt es, Barrieren zu minimieren und neue Vernetzungsgebiete zu schaffen. Damit der Aufbau in den kommenden Jahren gelingt, braucht es Dialog und Mitwirkung aller relevanten Akteure.

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